Büro der Zukunft?

Hybride Arbeitswelt*

Wo wir vor dem Hintergrund digitaler Kommunikations- und Kooperationstechnologien in Zukunft arbeiten werden und welche Rolle "das Büro" dabei spielen wird, beleuchtet Prof. Dr. Wilhelm Bauer, stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer IAO. Das Interview führte das Trendbüro im Rahmen der New Work Order-Studie.

Trendbüro: In vielen Unternehmen werden Orte informeller Kommunikation geschaffen. Warum?

Wilhelm Bauer: Heutzutage sind die Prozesse schneller und schlanker geworden, und es ist notwendig, dass Unternehmen flexibel auf sich schnell ändernde Marktbedingungen reagieren. Deshalb wird spontane, ungeplante und vor allem schnelle Kommunikation wichtiger. Die Bedeutung informeller Kommunikation wächst dabei auf zwei Ebenen. Zum einen erleben wir, dass die informelle Kommunikation nach Social-Media-Prinzipien den Unternehmen neue Möglichkeiten bietet. Auf der anderen Seite wird die persönliche informelle Kommunikation durch physische Räume am Arbeitsplatz unterstützt. Denn durch zufällige Begegnungen entstehen oftmals neue Ideen, neue Impulse und somit dann auch Innovation. Spontaneität, Schnelligkeit und Agilität - das ist es, was Unternehmen heute erfolgreich macht.

Heutzutage können wir doch eigentlich von überall zu jeder Zeit arbeiten. Wie definiert sich da die Rolle des Büros?

Wir sehen den Trend, dass die Rolle des Büros als "Ort der Begegnung" wichtiger wird. Diese Entwicklung wird unter anderem durch die Beobachtung bestätigt, dass der Bedarf an Kommunikations- und Teamflächen zunimmt, während der Flächenbedarf für Schreibtische abnimmt. Auch in Zukunft wird es physische Arbeitsplätze geben und diese werden vor allem eines sein: Plätze der Kommunikation und Zentren gelebter Unternehmenskultur.

Wie sieht das Büro der Zukunft aus?

Diese Frage zielt darauf ab, ein bestimmtes Konzept oder einen bestimmten Ort zu beschreiben. Genau das ist jedoch der falsche Weg, wenn man vom Büro der Zukunft spricht. Das Büro der Zukunft ist ein multipler Ort, eine Ansammlung unterschiedlicher Arbeitsorte, wie das Homeoffice, das Café, die Bahn.

Klar ist: Obwohl die Plätze, an denen wir arbeiten, vielfältiger werden, bleibt ein Ort ganz wichtig: "das Büro" im Bürogebäude. Arbeiten findet dort statt, wo wir sind. Aber es gibt auch zukünftig "das Büro" mit einem tollen Arbeitsplatz und vor allem mit meinen Kollegen. Der persönliche Kontakt wird als Komplementär zum zunehmend digitalen Miteinander wichtiger. Deshalb bin ich überzeugt: Wir werden in einer hybriden Arbeitswelt leben. Die digitale und die physische Arbeitswelt werden sich nicht ersetzen, sondern in ihrer Dualität ergänzen.

Quelle: *Interview mit Prof. Dr. Wilhelm Bauer
Dokumentation zur New Work Order-Studie.

Deutsches Büromöbel-Forum 03/2013

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